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Ansprache des Präsidenten des Thüringer Handwerkstages e.V., Rolf Ostermann, anlässlich des 11. Parlamentarischen Abends des Thüringer Handwerks am 2. April 2003
Meine sehr geehrten Damen und Herren. Es ist mir persönlich eine große Freude, Sie alle heute zum 11. Parlamentarischen Abend des Thüringer Handwerks begrüßen zu dürfen. Mein besonderer Gruß – verbunden mit einem herzlichen Dankeschön, gilt unserer Landesregie-rung mit Ministerpräsident Dr. Bernhard Vogel an der Spitze und, genauso herzlich – den Abge-ordneten des Thüringer Landtags unter Führung der Präsidentin des Hohen Hauses, Frau Christine Lieberknecht. Meine sehr geehrten Damen, meine Herren, seien Sie uns alle sehr herzlich willkommen, auch wenn ich die vielen honorigen Gäste nicht alle namentlich begrüßen kann. Alle sind uns sehr liebe Gäste, und betrachten Sie meinen Dank für Ihr Kommen ebenso sehr per-sönlich. Das elfte Mal treffen wir uns heute. Das elfte Mal wollen wir, also die Wirtschaft und die Politik, ins Gespräch kommen, über die vielen großen und kleinen Probleme diskutieren, die nun mal unser Leben, aber auch unsere Tagesarbeit ausmachen. Und ich glaube, es ist richtig, wenn ich folgendes Fazit ziehe: Das Konzept des Parlamentarischen Abends des Thüringer Handwerks ist aufgegangen. Das Konzept nämlich, miteinander zu reden und nicht übereinander. Dafür gebührt allen meine und unsere Anerkennung, dass wir – trotz mitunter unterschiedlicher Be-wertung – das Ziel nicht aus den Augen verloren haben, das Ziel, die Gesellschaft aufzubauen und der Gesellschaft zu dienen. Das Konzept ist aber auch deswegen aufgegangen, da wir stets Persönlichkeiten im Landtag an der Spitze hatten, denen der Wert der menschlichen Begegnung zur Lösung von Problemen stets hoch war und die somit stets die Voraussetzungen für ein solches Treffen mit gelegt haben. So haben auch Sie, sehr geehrte Frau Landtagspräsidentin, heute mit Ihrer Einleitung diesen Weg wie-der geebnet. Dafür danke ich Ihnen im Namen des Thüringer Handwerks. Alle Teilnehmer des heutigen Abends werden bemerkt haben, dass wir mit unserer Veranstaltung zurückgekehrt sind an den Sitz des Landtages. Die Umstände der Rundreise weiß jeder so exakt, dass ich nichts weiter erläutern muss. Es ist aber gut, dass wir es so machen konnten. So erhält der Name "Parlamentarischer Abend“ wieder den Rahmen, den wir immer gewollt haben und das neue Funktionsgebäude des Landtages ist dafür gerade prädestiniert. Auch dafür möchte ich Ihnen, sehr geehrte Frau Landtagspräsidentin, herzlich danken. Ich möchte aber noch auf einen weiteren Umstand hinweisen. Wer vom 1. Parlamentarischen Abend bis heute dabei war, wird bemerkt haben, welche Entwicklung die Veranstaltung und auch wir vollzogen haben. Waren die ersten Veranstaltungen davon gekennzeichnet, dass wir unsere Position im Land zu finden hatten, so verschiebt sich der Schwerpunkt immer mehr in Richtung Bund. Auch heute ist das so, eigentlich sehr extrem so. Leider sind unsere Thüringer Bundestags-1.abgeordneten heute nicht hier. Diese Woche ist Sitzungswoche in Berlin, da gilt als Auftrag, die Arbeit in Berlin zu tun. Und da wir unsere Termine am Kalender des Landes ausrichten, sind wir also heute hier. Wir werden aber alle Unterlagen nach Berlin senden, so dass jeder informiert ist. Und zu meinen Handwerkskollegen aus den Regionen sage ich, laden Sie Ihre Bundestagsabge-ordneten auch zu Ihren Veranstaltungen ein und sprechen Sie dann auch über den Parlamentari-schen Abend. Um aber nun dem Inhalt des Parlamentarischen Abends gerecht zu werden, möchte ich kurz das heutige Programm umreißen. Ich möchte jetzt zuerst Ihnen die Lage des Handwerks vor Augen halten, anschließend wollen wir eine moderierte Diskussionsrunde mit den drei Fraktionsvorsitzen-den, den Herren Althaus, Ramelow und Gentzel, dem Vorsitzenden des Wirtschaftsausschusses des Thüringer Landtages, Herrn Kallenbach sowie mit mir als Präsident des Thüringer Handwerks-tages e.V. sowie Herrn Schneider, Vizepräsident des Thüringer Handwerkstages e.V. durchführen. Dabei soll es aber Ziel sein, Lösungsansätze für die drängenden Probleme unserer Zeit in den Focus zu nehmen und auch auszuloten, wie diese umsetzbar sind. Wie sieht es gegenwärtig im Thüringer Handwerk aus? Ich könnte das mit einem Wort umreißen, möchte mich aber nicht auf dieses Niveau begeben. Wir hatten Sie alle zum 7. Februar dieses Jahres eingeladen zu einer außergewöhnlichen Veran-staltung, zu einer Handwerkerdemonstration. „Jetzt reichts – Handwerk gegen Stillstand“ – das war das Motto dieser Protestaktion. Auch viele von Ihnen waren anwesend zu diesem – im Grunde genommen – niederschmetternden Ereignis. Denn, wenn Handwerker protestieren, wenn Handwerker ihre Baustellen verlassen, wenn Handwerker ihre Werkstätten und Geschäfte schließen, um auf die Straße zu gehen und das auch noch bundesweit, dann ist das nicht nur ein schlimmes Zeichen für Deutschland, dann ist es sprichwörtlich fünf vor zwölf. Diese Großaktion gab es das erste Mal nach dem Krieg in Deutschland! Das muss doch gravierende Gründe haben. Und die sind vorhanden und gewachsen in den letzten Jahren und Jahrzehnten und kommen jetzt mit einer Härte, die uns Handwerker und allen Mittelständlern die Luft zum Atmen nimmt. Meine sehr geehrten Damen und Herren. Wir Handwerker sind ein Teil in der Gesellschaft und in der Wirtschaft, die normalerweise ruhig ihre Geschäfte machen wollen. Und von diesen ruhigen Geschäften haben viele ihren Vorteil: wir als Unternehmer, unsere Gesellen mit ihren Familien, unsere Lehrlinge und die ganze Gesell-schaft, weil wir für die Lebensbedürfnisse aller etwas tun. Aber – wir können eben keine Ge-schäfte mehr machen! Immer mehr Probleme der Politik hindern uns daran. Wir Handwerker sind für Arbeitsteilung: wir machen die kleinteilige Wirtschaft und die Politik macht die Rahmenbedin-gungen für uns. Und hier kommt der schlimme Zustand: die große Politik macht keine Rahmenbe-dingungen für uns, sie macht Rahmenbedingungen gegen uns. Und ich möchte präzisieren: wir im Handwerk unterscheiden exakt zwischen den Dingen, die durch die Landespolitik zu be-einflussen sind und den Dingen, welche die Bundespolitik uns vorsetzt. Und wir unterscheiden sehr wohl, was machbar ist und was nicht machbar ist. Dafür haben wir ein gut trainiertes Ge-fühl, da wir das täglich in unseren Betrieben auch tun müssen. Was die Landespolitik anbelangt, da sind wir selbstverständlich mit unseren Landespolitikern im Gespräch. Und nicht nur im Gespräch, sondern in gemeinsamem Handeln! Natürlich haben wir kein Bündnis des gegenseitigen Schulterklopfens, aber wir haben mit der Landesregierung eine 2.Vereinbarung, die eine Grundlage für gemeinsames Handeln darstellt. Und das nutzen wir auch. Das sage ich zu all denjenigen meiner Handwerkskollegen, die glauben, wir machen nicht ge-nug. Aber wir machen das, was machbar ist, auf Landesebene. Und wenn es etwas gibt, wo wir noch besser werden können, dann werden wir das aufgreifen. Aber schauen wir erst mal die Großwetterlage an: was ist denn gegenwärtig noch auf Landesebene machbar, wenn die Bundes-ebene schlecht funktioniert? Was kann denn eine Landesregierung da noch bewirken? Eine Lan-desregierung ist keine Reparaturkolonne für die Bundesregierung. Es kann im Land nicht gerichtet werden, was in Berlin verbogen wird! Und hier sind wir doch am Kernproblem angekommen. Ich will es deutlich, sehr deutlich vorweg sagen, damit keiner auf den Gedanken kommt, Handwerk polarisiert sich kurzsichtig und politisch auf einen Punkt! Handwerker sind von Natur aus Demokraten. Und so akzeptieren wir jede politische Kraft, wenn sie denn demokratisch legitimiert aus dem Volke kommt. Splittergruppen haben bei uns keinen Platz. Aber eins sage ich gleich mit: wir fordern auch von jeder demokratisch legitimierten Kraft das, was unsere Unternehmer brauchen, um zu überleben! Und wer jetzt eben in Berlin an der Spitze ist, der muss sich mit unseren Forderungen, die zum Überleben nun einmal notwendig sind, auseinander setzen. Unsere erste Forderung – ganz einfach formuliert – nach Berlin ist: lasst doch die Vernunft wal-ten! Redet doch erst mit der Basis, mit den Betroffenen, bevor irgendwelche Panikschachzüge ge-macht werden. Was wir von der ganzen Situation halten, hatten wir in einer Resolution zusam-mengefasst. Mit einem netten Brief hat auch unser Superminister diese Resolution erhalten. Unse-ren Brief und Clements Antwort kann jeder demnächst in der Deutschen Handwerkszeitung nachlesen. Wirklich – tolle Kerle sind das alle in Berlin. Was die da so Gutes dem Handwerk an-gedeihen lassen! So können wir nachlesen, dass „die angemessenen Belange des Handwerks bei allen politischen und gesetzgebenden Maßnahmen berücksichtigt werden“, und weiter „es ist nicht geplant, die Selbstverwaltung des Handwerks oder den Großen Befähigungsnachweis in Frage zu stellen!“ So weit die skizzierte Antwort. Aber, wie ist denn die tatsächliche Situation. Die jetzige Auffassung vom Regieren in Berlin hat doch eines perfekt erreicht: die Verunsicherung. Es gibt für uns keine Planungssicherheit mehr. Was heute hoch gelobt wird, wird morgen wieder geändert. Und diese Verunsicherung ist nicht nur bei uns im Handwerk, nein, jeder in der Bundesrepublik ist davon betroffen. Und weil alle betroffen sind, gab es diese große Erwartungshaltung zum 14. März, den Tag der großen Kanzlerrede. Es sollte eine Ruckrede werden, die die Forderung unseres Altbundespräsi-denten Herzog erfüllen könnte. Jedoch, jeder solle selbst urteilen, ob es eine Ruckrede war. Für mich war sie eine Ruckrede, aber leider nicht nach vorn – sondern eben nach hinten! Es gibt viele Probleme, die eine Bundesregierung anfassen kann. Es gibt darunter deutliche Pro-blemkreise, die unbedingt angefasst werden müssen, und es gibt Problemkreise, die gar keine Probleme sind. Sicher ist es für uns einfachen Handwerker schwer, das eine vom anderen zu un-terscheiden. Für einen Kanzler, mit mehreren Tausend Bediensteten, müsste es einfach sein, hier die richtige Einordnung vorzunehmen. So ist gleich zu Anfang seiner Rede eine Bemerkung richtig: „In dieser Situation muss die Politik handeln, um Vertrauen wieder herzustellen!“ Wohl wahr – richtig erkannt. Die Nachfrage, wo das Vertrauen verspielt wurde, möchte ich aber nicht stellen. Sicher, der Kanzler hat viel gesagt, was man in Deutschland machen müsste. Bloß – was sollen wir mit Ankündigungen, wenn die Kraft der Reformen fehlt. Oder besser gesagt, wenn die Kraft 3.der Reformen am falschen Ende ausgespielt wird. Und hier muss ich deutlich werden. Ich sage es klar heraus: die rot-grüne Bundesregierung, an der Spitze unser Kanzler Schröder, startet einen Generalangriff auf die Selbstverwaltung des Handwerks und auf das Handwerk selbst. Diese Regierung schafft sich durch blinden Aktionismus Schauplätze zur Ablenkung von den wirklichen Problemen der Zeit. Derzeit inszeniert die Bundesregierung einen 3-Fronten-Angriff auf unsere Selbstverwaltung und auf das Handwerk. Wie sieht das aus: Front 1: Subventionierte Existenzgründer gegen eingesessene Handwerksunternehmen. Statt Stabilisierungsmaßnahmen für bestehende Betriebe – Subventionen für Existenzgründer. Befreiung vom Kammerbeitrag zum Beispiel heißt – Spaltung des Handwerks in zahlende und nicht zahlende Betriebe. Und das heißt wieder: Entzug der finanziellen Grundlage unserer Selbstverwaltung. Mit der Ich-AG in die geförderte Schwarzarbeit! Front 2: Aufweichung der Meisterausbildung. Mit der fadenscheinigen Begründung der Zugangserleichterung will man das wichtigste Element des Handwerks, den Meister, degradieren und sieht nicht, dass man die Ausbildungsstufe des Meisters ignoriert, das persönliche Qualitätsmerkmal des Handwerks disquali-fiziert, das wichtige Moment des Verbraucherschutzes abschafft sowie die Aus-bildung des zukünftigen Fachnachwuchses gefährdet. Front 3: Zerschlagung der Bildungslandschaft bei Weiterbildung, Fortbildung und Um-schulung. Unter dem Deckmantel der Liberalisierung und der Wettbewerbsför-derung werden unsere Bildungseinrichtungen bei den Innungen, bei den Ver-bänden und bei den Kammern degradiert, indem man neue Rechtsvorschriften erlässt anstatt bestehende Gesetze einhält. Ich frage unsere Berliner Politiker: wird Ihnen nicht schwindelig bei dem, was durch Ihr Han-deln in Deutschland passiert? Haben Sie nicht Angst vor der Verantwortung für dieses Handeln? Ist denn politische Verantwortung wirklich so auf die leichte Schulter zu nehmen? Wer das, was ich eben sagte, nicht glaubt, der möge in der Kanzlerrede nachlesen, wo er über die Verschlankung des Handwerksrecht sich äußert. Insbesondere weist er ausdrücklich auf die Erleichterungen bei der Existenzgründung hin. Weiß der Kanzler denn nicht, dass wir in Deutschland 125.000 Handwerksmeister sozusagen „auf Halde“ haben, die nur deshalb sich nicht selbstständig machen, weil es der Markt gegenwärtig nicht hergibt. Es ist der zentrale Irrtum dieser Politik, wenn geglaubt wird, über Existenzgründungskampagnen, über Meister-briefabschaffung, über Degradierung des Kammersystems die deutschen Wirtschaftsprobleme zu lösen. Mit diesen Maßnahmen bringen wir eben nicht 4,7 Mio. Arbeitslose in den Arbeits-markt, mit diesen Maßnahmen stabilisieren wir nur diese äußerst schlimme Situation! Es wird aber auch oder besonders durch unser Beispiel der Behandlung des Handwerks deut-lich, wie die Politik seit rund dreißig Jahren den wissenschaftlichen Sachverstand zur Wirt-schaftsentwicklung missachtet. Eine wichtige Kenngröße einer Volkswirtschaft ist die Konsumquote. Vor dreißig Jahren hatten wir in Deutschland die Konsumquote von 0,75; das heißt 75 % der Wirtschaftsleistung wurden konsumiert, 25 % der Wirtschaftsleistung wurden investiert. Heute 4.haben wir eine Konsumquote von 0,93; das heißt 93 % der Wirtschaftsleistung werden konsu-miert und nur noch 7 % werden investiert. Mit der Konsumquote von 1,0 haben wir dann die wirtschaftliche Katastrophe erreicht! Und – uns trennt davon nicht mehr viel. Wo ist hier die Handlung der Politik. Mit dem Generalangriff auf die Handwerksordnung – das steht fest – er-reicht man hier nichts, gar nichts! Es gibt genug Fachwissen, womit man diesen Prozess des Gegensteuerns erfolgreich gestalten kann. Ein – auch für uns Handwerker – wichtiger Weg scheint die Steuerreform zu sein. Ich habe mir sagen lassen, dass der Nobelpreisträger Haavelmo die wissenschaftliche Relation zwischen direkten und indirekten Steuern und die Wirkung auf die Volkswirtschaft beschrieben hat. Nur unsere Regierung kennt das nicht. Denn ohne fundierte Steuerreform werden wir nie-mals die Schlusslichtlaterne in Europa abgeben. Denn – wie sieht die Realität aus: im Mittelalter musste der Bauer seinen Zehnten bezahlen, heute arbeiten wir von Januar bis zum 23. Juli für den Staat, erst dann haben wir den ersten Cent für uns erwirtschaftet. Das kann es doch nicht gewesen sein! Ich kann nur davor warnen, den Mittelstand kaputt zu spielen. Auf deutschen Boden hat schon einmal ein Staat dieses Spiel versucht – jeder erinnert sich an das Ende! Und hier erschallt der Ruf des Thüringer Handwerks an die politischen Verantwortungsträger in unserem Freistaat. Helfen Sie bitte mit, dass in Berlin kein Pseudoaktionismus praktiziert wird. Helfen Sie mit, dass der Mittelstand, dass das Handwerk das bleibt, was es bleiben muss: das Rückgrat der deutschen Volkswirtschaft. Das kann nur passieren, wenn gesunde Ge-setze aus Bundestag und Bundesrat die Wirtschaft steuern. Aber das ist es nicht allein. Auch in unserem Freistaat muss einiges geschehen. Wenn ich vor-hin sagte, dass wir mit unserer gemeinsamen Vereinbarung zwischen Land und Handwerk eine gute Basis haben, dann müssen wir stets mit neuen Ideen hier voranschreiten. So kann ich hier meinen Handwerkskollegen sagen, dass wir mit Wirtschaftsminister Schuster intensiv an der Fortschreibung arbeiten. Zu unserer letzten Mitgliederversammlung haben wir eine posi-tive Halbzeitbilanz ziehen können, jetzt gilt es, weiter Ziele zu formulieren. Und hier rufe ich meine Handwerkskollegen auf, mit Vorschlägen diese Arbeit zu unterstützen. Wir im Hand-werk begrüßen sehr die Aktivitäten unserer Landesregierung, damit unser Freistaat EU-Förder-gebiet, also Ziel-1-Gebiet bleibt. Wir brauchen diese Einordnung, wollen wir in den Neuen Bundesländern nicht den Anschluss verlieren! Wir begrüßen auch sehr die Aktion unseres Mi-nisterpräsidenten, durch eine Stabsstelle zur Deregulierung dieses Gestrüpp von Gesetzen, An-ordnungen, Durchführungsbestimmungen usw. zu lichten. Wir arbeiten gern mit und ich rufe hier gleich meine Handwerkskollegen auf: nennen Sie alles, wo Sie der Meinung sind, dass die Entwicklung unseres Freistaates gehemmt wird. Nur mit diesem Schulterschluss zur Landesregierung können wir etwas bewegen. Die geplante Deregu-lierung ist unseres Erachtens die wichtigste Arbeitsstrecke, die wir im Land aktiv umsetzen müs-sen. Aber die Sache mit dem Umsetzen ist ja oft ein Problem. Es muss auch gewollt sein. Und insbesondere die Arbeitsebene in den Ministerien, Behörden und Verwaltungen muss wollen!! Da darf auch mal die Situation, den eigenen Arbeitsplatz durch eine unsinnige Regel zu erhal-ten, nicht zum Entscheidungskriterium werden! Ich möchte ein ähnlich gelagertes Bild mal zur Vergabe sagen. Alle, unser Ministerpräsident, unsere Minister, unsere Staatssekretäre sagen: es muss kleinteilig ausgeschrieben werden, da-mit die Thüringer Wirtschaft reagieren kann. Die Vergaberichtlinie lässt dies auch zu. Und wie sieht die Realität aus? Ein Beispiel: Thüringen braucht jetzt Polizeifahrzeuge. Dabei sind Poli-zeifahrzeuge normale Autos, aber mit einer besonderen Ausstattung. Da kein Thüringer Hand-werker Autos baut, bestellt man diese bei DaimlerChrysler. Aber, man bestellt dort den Ausbau 5.gleich mit, obwohl wir Thüringer Firmen haben, die das exakt auch können. Man trennt also die möglichen Lose „Grundfahrzeug liefern“ und „Fahrzeug ausbauen“ nicht. Was läuft nun ab: DaimlerChrysler baut die Fahrzeuge, schafft diese nach Frankreich zum Ausbau, und liefert das Gesamtprodukt beim Freistaat ab. Und obwohl Minister und Staatssekretäre für die Lostrennung sind, die Sturheit der Arbeitsebene gewinnt, das ist ja auch wesentlich bequemer. Und so werden die eingesetzten Steuermittel nach Frankreich geschafft, statt sie hier im Lande beim Handwerk einzusetzen, um daraus neue Steuermittel für Thüringen zu erreichen. Und von dieser Praxis müs-sen wir weg! Es dürfen sich keine Beamten verselbstständigen, um die guten Ansätze unserer Lan-desregierung zu durchkreuzen. Sie wissen sehr wohl, meine sehr geehrten Damen und Herren, dem Handwerk und Mittelstand geht es schlecht, sehr schlecht sogar. 2002 war für das Handwerk das schlechteste Jahr. Hinter dieser Feststellung stecken Beschäfti-gungs- und Umsatzverluste in beängstigendem Ausmaß. Die seit Jahren rückläufige Bauinvesti-tion, der stagnierende private Verbrauch prägen vor allem die wirtschaftliche Entwicklung des Handwerks. Natürlich haben wir uns Gedanken gemacht, was zu ändern ist. Das Handwerk wird auf jedem Reformweg vorne mitmarschieren, wenn er nur in die richtige Richtung führt. Wir brauchen frischen Wind und eine neue Flexibilität in unserem Land und wir wünschen uns deshalb, dass die Bundesregierung mit ihren hoffentlich bevorstehenden Reform-anlauf diesmal den großen Wurf schafft. Wir haben unsere Gedanken dazu getrennt nach Land und Bund aufgeschrieben. Wir werden diese Papiere Ihnen am Ende der Veranstaltung mitgeben, bitte denken Sie mit uns darüber nach, was ist zu tun, was können wir im Land, in unserem Freistaat, gemeinsam für die Zukunft tun. Meine sehr geehrten Damen und Herren. Es gäbe noch viel zu berichten aus der Sicht des Thüringer Handwerks, wie es um uns steht. Ich wollte Ihnen eine Einführung geben, in der anschließenden Gesprächsrunde können wir das eine oder andere noch vertiefen, wobei ich natürlich auch alle Anwesenden ermuntern möchte, sich an der Diskussion zu beteiligen. Meine sehr geehrten Damen und Herren, lassen Sie mich bitte zum Abschluss noch einen grundlegenden Gedanken loswerden. Wir sprechen von unseren Problemen, wir analysieren, wir diskutieren, manchmal handeln wir auch. Und da steht oft die Schuldzuweisung über dem eigentlichen Lösungsansatz. Dabei brau-chen wir doch wohl nur unseren gesunden Menschenverstand einzuschalten! Lassen Sie uns doch alle auf diese neue alte Qualität kommen. Wir sollten aber auch mal die globale Meßlatte nehmen. Sind unser Probleme wirklich die Pro-bleme des Lebens? Wir haben in der Welt Krieg. Jeder solle sich sein eigenes Urteil bilden, ich für meinen Teil sage: jeder Tag Krieg ist ein Tag Krieg zuviel. Der Mensch des 21. Jahrhunderts muss in der Lage sein, Probleme zu lösen. Auch wir die unsri-gen. In diesem Sinne lassen Sie uns ans Werk gehen! Danke für Ihre Aufmerksamkeit! Sperrzeit: Redebeginn Es gilt das gesprochene Wort. |
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