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Pressemitteilung
Erfurt, 12. Januar 2004

Prognosen für das Thüringer Handwerk
- Erst 2005 ist Besserung in Sicht
- Jahr der Wahlen
- Handwerk in der Gesellschaft
-
Die Studie "Zukunft des Thüringer Handwerks"
- Internetportal des Thüringer Handwerks - www.handwerk-th.de
- Aktuelle Zahlen des Thüringer Handwerks


Im Rahmen der Jahrespressekonferenz der Handwerkskammer Erfurt nahm Präsident Rolf Ostermann in der seiner Eigenschaft als Präsident des Thüringer Handwerkstages Stellung zur Entwicklung des Handwerks im Freistaat.

Das Jahr 2004 wird demnach für das Handwerk im Landes voraussichtlich nicht schlechter als das Vorjahr verlaufen. Sollte sich die leichte Konjunkturbelebung in Deutschland verstetigen, so die Einschätzung Ostermanns, werden positive Effekte frühestens 2005 beim Handwerk spürbar werden. Dies bedeutet zwar, dass das Tunnelende näherrückt, es allerdings in den kommenden Monaten kaum heller im Handwerk werden wird.

Der THT-Präsident rechnet daher damit, dass auch in diesem Jahr Beschäftigte im Handwerk abgebaut werden, insbesondere im Bau- und Ausbauhandwerk. Der Rückgang von Handwerksbetrieben mit Meistertitel wird sich fortsetzen. Betriebe aus dem handwerksähnlichen Gewerbe (dort ist kein Meisterbrief notwendig)  werden ihren Anteil am Gesamthandwerk weiter erhöhen. Hinzukommen werden voraussichtlich deutlich mehr Ich-AG´s, da mit dem neuen Kleinunternehmergesetz das Betätigungsfeld im Handwerk für Existenzgründungswillige deutlich erweitert wurde. Und damit verschieben sich auch die betrieblichen Strukturen: Die durchschnittliche Beschäftigtenzahl wird weiter sinken. Liegt sie derzeit noch bei fünf, so prognostiziert Ostermann für die kommende Zeit eine Reduzierung auf vier Beschäftigte je Betrieb. Im Handwerk, so die Befürchtungen, wird mit Umsetzung des Kleinunternehmergesetzes eine gigantisch große Grauzone entstehen, in der Schwarzarbeit nicht mehr zu kontrollieren ist.

Der Ausbildungsmarkt steht weiterhin unter Druck. Er werden ähnliche Ausbildungszahlen wie im Jahr 2003 erwartet. Um dies zu erreichen, muss die Beratung der Betriebe in Bezug auf die Ausbildung allerdings weiterhin vom Land unterstützt werden. Daher fordert das Handwerk die Landesregierung auf, die Förderung der Ausbildungsplatzentwickler und Lehrstellenwerber fortzusetzen.

Das Hauptaugenmerk der Lobbyarbeit des Thüringer Handwerkstages liegt weiterhin auf der Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen für eine bessere Entwicklung der Betriebe. In erster Linie bleiben die Landesregierung und die Ministerien Ansprechpartner für das Thüringer Handwerk. Ebenso wird versucht, in der kommunalen Politik bessere Bedingungen für das Handwerk zu erzielen. Förderpolitik, Infrastrukturmaßnahmen, öffentliche Auftragsvergabe, der Arbeitsmarkt sowie die Bildungspolitik in Thüringen stehen im Blickpunkt der handwerkspolitischen Arbeit, insbesondere im Hinblick auf die anstehende Landtagswahl.

Bundespolitisch wird das Thüringer Handwerk weiter für eine große Steuerreform und eine deutliche Entlastung von Betrieben und Bürgern eintreten. Dies ist der Dreh- und Angelpunkt für eine positive Entwicklung Deutschlands.

Im Sommer wählen die Thüringer ein neues Landesparlament. Gleichzeitig findet die Europawahl statt. Für das Handwerk zwei wichtige Entscheidungen. Zum Abschluss der jetzigen Legislaturperiode wird die Schlussbilanz der Vereinbarung zwischen Landesregierung und Thüringer Handwerk im Rahmen des Parlamentarischen Abends des Thüringer Handwerks am 31. März vorgelegt. Drei Jahre existiert dann diese gemeinsame Vereinbarung. Das Thüringer Handwerk hofft, auch mit der neuen Landesregierung wieder ein solches Papier erarbeiten zu können.

Das Thüringer Handwerk wird zur Landtagswahl wieder Wahlprüfsteine erarbeiten und die zur Wahl antretenden großen Parteien um Stellungnahmen bitten. Wichtig ist dem Handwerk in diesem Zusammenhang insbesondere, wie eine weitere Unterstützung der kleinen und mittelständischen Betriebe gesehen wird. Außerdem steht nach wie vor die Bildungs- und Ausbildungspolitik auf der Prioritätenliste. Die Thüringer Wirtschaft wird voraussichtlich, wie bereits nach den letzten Landtagswahlen, einen Forderungskatalog an die neue Landesregierung formulieren.

Die Landesregierung hat in den zurückliegenden Jahren einige wichtige Förderinstrumente für das Handwerk entwickelt und umgesetzt. Zuerst zu nennen seien hier das Landesinvestitionsprogramm, die GuW (Gründungs- und Wachstumsfinanzierung), die Ausbildungsplatzförderung und das neu hinzugekommene Thüringen-Kapital. In der Förderpolitik des Landes gilt es weiterhin, bewährte Förderinstrumente weiterzuentwickeln und zu straffen, stets die erzielten Effekte zu überwachen um ggf. Programme zu überarbeiten oder zu streichen.

Außerdem ist das Thüringer Handwerk der Meinung, dass auf kommunaler Ebene mehr Privatisierungen kommunaler Eigenbetriebe als bisher durchgeführt werden sollten. Gleichzeitig sollten Subventionen aller Art auf den Prüfstand kommen. Denn das Handwerk ist weiterhin der Überzeugung, dass grundsätzlich Subventionen zurückgefahren werden sollten. Gleichzeitig gilt es, die Betriebe und Beschäftigten von Kosten zu entlasten. Hierzu gehört auf jeden Fall die deutliche Reduzierung der Steuer- und Abgabenlast. In diesem Zusammenhang fordert das Handwerk von der Politik, eine echte Reform des Steuerrechts mit deutlichen Vereinfachungen und Senkungen. Dies ist die wichtigste politische Aufgabe des Jahres 2004. Denn ohne diese Impulse kann Deutschland im internationalen Wettbewerb nicht erfolgreich agieren und erhält der Binnenmarkt keinen Schub.

Handwerk in der Gesellschaft  

Handwerk ist in der Gesellschaft tief verwurzelt. Dies ist nicht nur Resultat jahrhundertealter Traditionen, sondern auch eines traditionell großen Engagements der Handwerker in ihren Regionen. Und so ist auch der christliche Glaube bei vielen Handwerkern verwurzelt. Handwerkergottesdienste oder christliche Fahnenweihen sind hierbei sichtbare Zeichen. Regelmäßige Treffen zwischen Vertretern der Handwerksorganisation und den Kirchen gehören ebenfalls dazu. Anfang Januar findet eine weitere solche Veranstaltung statt.

Die Studie "Zukunft des Thüringer Handwerks" 

Nicht nur für die Organisationen des Handwerks, vor allem für die Betriebe sind verlässliche Daten zur Entwicklung dieses Wirtschaftsbereiches für Planungen und Strategien wichtig. Daher wurden insbesondere konkrete Ausführungen zu künftigen Entwicklungstendenzen, Marktverschiebungen und Kundenstrukturen in der Studie erarbeitet. Die vor rund zwei Jahren in Auftrag gegebene Studie wird zu 90 Prozent vom Thüringer Wirtschaftsministerium und zu 10 Prozent vom Handwerk finanziert. In Kürze wird das Gesamtergebnis von den wissenschaftlichen Bearbeitern an das Handwerk übergeben.

Internetportal des Thüringer Handwerks - www.handwerk-th.de

Das Thüringer Handwerk hat seit Ende 2003 ein Internet-Portal, das einen zentralen Einstieg ins Thüringer Handwerk für Kunden, Betriebe und alle am Handwerk Interessierten ermöglicht. Ob Handwerkersuche, Fragen zu Betriebsführung, Fortbildung oder Ausbildung, ob Berufe des Handwerks oder offene Lehrstellen, Betriebsbörsen und Kooperationen, Online-Shops oder Messen, Schlichtungsstellen oder Sachverständige – www.handwerk-th.de öffnet allen Nutzern die Vielfalt des Handwerks im Freistaat. Das Internet-Portal ist eine Initiative des Thüringer Handwerkstages, gefördert vom Thüringer Wirtschaftsministerium.

Aktuelle Zahlen des Thüringer Handwerks (2. Halbjahr 2003) 

 

Handwerkskammer Erfurt

Handwerkskammer für Ostthüringen

Handwerkskammer Südthüringen

Gesamt

Betriebe:

13.204

8.830

6.629

28.663

Neu abgeschlossene 
Ausbildungsverträge:

2.613

1.392

1.115

5.120

Lehrlinge insgesamt:

8.029

4.814

3.831

16.674

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