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Erfurt, den 16. Januar 2004

1. Spitzentreffen zwischen Kirche und Handwerk in Thüringen

Sozialkompetenz des Handwerks als Vorbild

Handwerk und Kirche haben mehr gemeinsame Schnittpunkte, als gemeinhin bekannt. Die soziale Kompetenz des Handwerks in Gesellschaft und Wirtschaft stand im Blickpunkt einer erstmals durchgeführten gemeinsamen Sitzung der Spitzenvertreter des Thüringer Handwerks, der katholischen Kirche in Thüringen und der evangelischen Landeskirche Thüringen in Gera. Insbesondere vor dem Hintergrund der sozialen Veränderungen in der Gesellschaft, der zunehmenden Anonymisierung, der tiefen sozialen Sorge gerade in den neuen Bundesländern und des Wertewandels hätten Handwerk und Kirche als Stabilitätsfaktoren der Gesellschaft eine nicht zu unterschätzende Bedeutung, betonten die Teilnehmer des Treffens. So wies Bischof Dr. Joachim Wanke auf die Beziehungskultur in der Gesellschaft hin, die erhalten bleiben müsse. „Verantwortung füreinander, Ehrlichkeit, die Achtung vor dem Mitmenschen sowie Leistungsbereitschaft und gegenseitiges Verständnis sind wichtige Eckpfeiler, die für unser Zusammenleben notwendig sind,“ betonte der Bischof.

Außerdem sprach sich der evangelische Landesbischof Dr. Christoph Kähler dafür aus, dies auch bei der Bildungsdebatte zu berücksichtigen. „Es muss in der Schulbildung um die sichere Beherrschung des Grundwissens gehen; gleichzeitig sind Fächer wie Ethik und Religion unverzichtbar.“

Für diese Attribute steht das Handwerk. „Rund 90 Prozent unserer Betriebe hier in Thüringen sind Familienbetriebe. Der Meister kennt seine Gesellen und Lehrlinge. Man kennt sich in den Familien. Unsere Handwerksmeister übernehmen persönlich Verantwortung für ihre Mitarbeiter. Da feuert es sich nicht so leicht. Und laufen die Geschäfte nicht so gut, spüren dies sofort auch die Familien der Handwerker,“ so der Präsident des Thüringer Handwerkstages, Rolf Ostermann.

Die Familie als Kern und Basis sowie der Umgang mit jungen Menschen und deren Erziehung zu Verantwortungsbewusstsein, Fleiß und gegenseitiger Achtung haben im Handwerk eine herausragende Bedeutung. Gleiches gilt für die Kirchen. Daher betonten auch beide Seiten, dass diese sozialen Kompetenzen des Handwerks vom Staat nicht wegreglementiert beziehungsweise durch Gesetze geschwächt werden sollten. Hierzu wiesen die Handwerksvertreter darauf hin, dass es auch in der Verantwortung der Politik liege, die Menschen nicht blind in unternehmerische Abenteuer zu stürzen.

Es ist nach Auffassung der Handwerksvertreter unverantwortlich, den Bürgern vorzugaukeln, dass sie ohne fundierte Ausbildung und ohne unternehmerische Kenntnisse erfolgreich eine selbständige Existenz aufbauen könnten. Das neue Kleinunternehmergesetz und die Ich-AG-Regelungen schaffen nach Überzeugung der Vertreter aus Handwerk und Kirche zahllose ruinierte Existenzen, hoffnungslos verschuldet und ohne soziale Absicherung.

An dem Treffen nahmen Bischof Wanke, Landesbischof Kähler, THT-Präsident Ostermann, die Präsidenten und Hauptgeschäftsführer der Thüringer Handwerkskammern und leitende Mitarbeiter beider Kirchen teil.

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