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Pressemitteilung vom 25. Mai 2005

Mit Factoring gegen Liquiditätsengpässe aufgrund schlechter Zahlungsmoral

Drei Entwicklungen setzen gegenwärtig den Betrieben des Handwerks besonders zu. Die seit mehr als fünf Jahren andauernde Rezession am Binnenmarkt schwächt ihre Ertragskraft. Die Banken sind in ihrer Kreditvergabe spürbar zurückhaltender geworden und die sich seit Jahren spürbar verschlechternde Zahlungsmoral der Kunden entzieht den Betrieben die für Investitionen und Finanzierung von Aufträgen so notwendige Liquidität und reduziert die Gewinne.

Ausgerechnet die Öffentliche Hand zählt in besonderer Weise zu den säumigen Kunden der Handwerksbetriebe, so eine aktuelle Sonderumfrage der Handwerkskammer Erfurt und Ostthüringen im Rahmen einer bundesweiten ZDH-Umfrage „Zahlungsverhalten der Handwerkskunden“. Von Vorbildfunktion kann keine Rede sein: 25,8 % der Betriebe Thüringens attestieren eine mangelhafte Zahlungsmoral.
Der Thüringer Handwerkstag fühlt sich aufgrund der Ergebnisse der Kammerumfragen in seinen Forderungen gegenüber der Bundesregierung bestätigt. Dr. Dieter Artymiak, Geschäftsführer des THT e. V.: „Während auf der einen Seite der Staat auf Kosten unserer Betriebe immer unzuverlässiger zahlt, tritt der gleiche Staat an unsere Betriebe heran und fordert vorgezogene Zahlungen der Sozialbeiträge.“

Das Forderungssicherungsgesetz als wichtiges Element zur Verbesserung der Zahlungsmoral wird seit einem Jahr im Deutschen Bundestag blockiert. „Zu guter Letzt setzt auch noch dieser Staat die Betriebe durch die Steuersystematik unter Druck. Die Umsatzsteuer ist bereits zu entrichten, wenn die Leistung erbracht und die Rechnung erstellt wurde. Dabei wird diese oft - wenn überhaupt - erst Monate später beglichen. Unsere Handwerker sitzen in der Liquiditätsfalle. Wir fordern seit Jahren den Systemwechsel hin zur Ist-Besteuerung.
Die Bundesregierung zeigte zwar Verständnis, will aber erst die Ergebnisse eines Feldversuches abwarten. Ich hoffe nur, dass der Wahlkampf nicht alles auf Eis legt.“

Eine weitere Forderung des Thüringer Handwerkstages erfährt ebenfalls mit den Umfrageergebnissen eine neue Dringlichkeit. „Wir möchten, dass in Thüringen, ähnlich wie bereits in Nordrhein Westfalen praktiziert, ein Factoringmodell aufgelegt wird. Wichtig ist uns hierbei vor allem, dass Kleinstbeträge an offenen Forderungen in dem Modell berücksichtigt werden, der Bau- und Ausbaubereich nicht ausgeschlossen bleibt und es niedrige Gebührensätze gibt. Wir sind im THT überzeugt, dass eine Landesgesellschaft oder eine landesnahe Gesellschaft eine solche Aufgabe übernehmen kann. Denn eines hat die Kammerumfrage eindeutig gezeigt.
In der übergroßen Mehrzahl der säumigen Zahlungen ist nicht die Qualität der handwerklichen Arbeit Ursache des Zahlungsverzugs oder gar des Zahlungsausfalls. Und auf der anderen Seite blockieren ausbleibende oder verzögerte Zahlungen die Entwicklungschancen unserer Betriebe.“

Für viele Handwerksbetriebe geht es mittlerweile um die Existenz. Das zeigen die Zahlen der aktuellen Umfrage, an der neben Erfurt und Ostthüringen noch weitere 31 Handwerkskammern beteiligt haben.

Die zusammengefassten Ergebnisse aus Erfurt und Ostthüringen:
- Über 80 % der Betriebe haben 2004 säumige Zahler unter ihren Kunden gehabt.
- Im Schnitt gingen immerhin 18,8 Prozent des Gesamtumsatzes dieser Betriebe verspätet ein.
- 55,6 % der Handwerker geben an, dass ihnen im Jahr 2004 Zahlungen komplett ausgefallen sind, im Schnitt gingen 2,3 % des Umsatzes so verloren.

Die Folgen der weiter gesunkenen Zahlungsmoral sind dramatisch:
- 29,6 %, also mehr als ein Viertel der Handwerksbetriebe, geben an, dadurch in der Vergangenheit bereits einmal in seiner Existenz gefährdet gewesen zu sein.
- 27 % mussten Investitionen verschieben.
- 18,9 % mussten teure Überbrückungskredite aufnehmen.
- 22,8 % mussten Personal entlassen.
- 11 % verloren Aufträge, da sie keine Mittel für eine Vorfinanzierung flüssig hatten.

Besonders schlecht schneiden in der Umfrage die gewerblichen Kunden ab, 28,6 % der Befragten bezeichnen das aktuelle Zahlungsverhalten als mangelhaft oder ungenügend.
Es folgen die öffentlichen Kunden: 25,8 % erhalten die Note mangelhaft oder ungenügend.
Private Kunden schneiden vergleichsweise gut ab, ein Drittel zahlt umgehend (Note sehr gut und gut), nur 16,8 % werden gerügt.

Insgesamt ist die Zahlungsmoral in den vergangenen fünf Jahren jedoch weiter zurückgegangen. Ein verschlechtertes Zahlungsverhalten attestieren die Betriebe 43 % der gewerblichen Kunden, 35,1 % der öffentlichen und 28,3 % der privaten Kunden.

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